Artischocke

Cynara cardunculus

Dip Dip Hurra

Was derart durch Blätter geschützt und sanft in Heu gebettet ist, muss etwas ganz Besonderes sein: Spätestens das Herz der Artischocke ist für jeden Gourmet eine faszinierende Delikatesse.

Die frostempfindliche Artischocke stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, vom östlichen Kilikien bis Persien und dann mit den Arabern über Nordafrika bis nach Spanien gelangend.

Vermutlich erste Berichte über die Artischocke gibt es bei den römischen Gelehrten Plinius und Columella. Allerdings könnte das altgriechische scolymos, das sich auf die Dornen bezieht, auch andere Disteln meinen. Wie auch immer: Im 1. Jahrhundert nach Christus jedenfalls scheint der Beginn der Artischockenkultur zu liegen.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Pflanze durch den florentinischen Händler Filippo Strozzi aus Sizilien auch in nörlichere Breitengrade Europas importiert und erfreute insbesondere Feinschmecker in Frankreich und Großbritannien. Bis zur Französischen Revolution war die Artischocke in den Gärten des französischen Landadels ein Zeichen von Reichtum und vornehmer Lebensart. Hernach wurde die Artischocke von europäischen Auswanderern in die USA eingeführt.

Hauptanbaugebiete sind heute Italien, USA, Spanien, Ägypten, Argentinien und Frankreich.

Die Bezeichnung der Pflanze in den europäischen Sprachen leitet sich von der iberisch-arabischen Bezeichnung al-haršūf ab: im Spanischen das Wort alcachofa, im Italienischen carciofo. Die deutsche Bezeichnung Artischocke wie auch englisch artichoke geht ebenfalls auf dieses arabische Wort zurück.

Artischocken sind genau genommen ein Blütengemüse. Die mit der Distel verwandte Artischockenpflanze bildet bis zu zwei Meter hohe Stauden, von denen lediglich die bis zu 500 g schweren Blütenknospen mit einem kurzen Stück des Stiels zum Verzehr geeignet sind. Die Anordnung der Blütenblätter erinnert an Pinienzapfen.

Die Pflanze benötigt im Garten etwa 1 Quadratmeter Raum und bevorzugt sonnige, warme Orte. Geerntet werden die faustgroßen Blütenköpfe, wenn sie noch geschlossen sind und die äußeren Schuppen leicht abstehen. Verpasst man diesen Zeitpunkt, zeigt sich eine große violette Blüte.

Artischocken gibt es in unterschiedlichen Färbungen: grün, violett, rot oder rotbraun. In unseren Breitengraden sind die grünen Artischocken mit breitem, fleischigem Boden die bevorzugten Sorten. Für die geschmacklich leicht herbe, etwas bittere Note ist der Stoff Cynarin verantwortlich. Ihm wird nachgesagt, dass er bei Stoffwechselerkrankungen hilft und den Cholesterinspiegel zu senken vermag. Auf jeden Fall aber machen Artischoken jeden Magenbitter überflüssig.

Frische Artischocken haben fest geschlossene Blütenblätter und fühlen sich prall an. Klassisch zubereitet werden Artischocken als ganzes Gemüse gekocht, bis sich die einzelnen Blütenblätter leicht lösen lassen. Serviert wird die Knospe dann zusammen mit Saucen und als Fingerfood genossen: Man zupft Blatt für Blatt ab, taucht es in eine Sauce und lutscht es aus. Für Feinschmecker besonders lecker ist das zartbitter schmeckende Herz der Artischocke, das am Schluss verzehrt wird – natürlich nicht ohne zuvor vom kurios anmutenden, stacheligen "Heu" befreit worden zu sein.

Artischockenherzen werden auch in Dosen vertrieben, auch wenn sie geschmacklich dann nur noch wenig mit den frischen oder in Öl eingelegten Artischockenherzen gemein haben.

Die gesundheitlichen Vorzüge der Artischocke sind beachtlich: Sie regen den Appetit an, lindern Blähungen, helfen bei Völlegefühl und wirken sich zudem positiv auf den Cholesterinspiegel aus.

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